Loading…

Leben in der Warteschleife – junge Asylwerber im Interview

haroon„Ohne Antwort zu leben ist schwierig – ohne Antwort und ohne Ziel.“ Aref bringt auf den Punkt, was alle unsere Gesprächspartner denken – und er wünscht sich eine faire Chance für seine Zukunft, eine Chance hier in Österreich. Die Antwort, auf die er wartet, betrifft seinen Asylantrag. Wird er bleiben dürfen und endlich arbeiten können? Oder wird er wieder zurückgeschickt in seine Heimat? Die monatelange Unsicherheit zermürbt. „What is the meaning of life?“ fragt Armin. Der Krieg in seiner Heimat hat den täglichen Weg zur Schule lebensgefährlich gemacht. Auf Bildung will er aber nicht verzichten und so verlässt er Afghanistan. Sein Asylantrag wird kurz nach unserem Interview vorerst abgelehnt. Auch Nuroollah, Haroon und Sajed haben Unglaubliches erlebt. Hier erzählen sie von ihrer „Reise“, ihren Hoffnungen und Träumen.

Wir sind Viktoria, Marcel, Fikret, Haci, Bianca und Rohi aus der NMS Webling. Es war beeindruckend, zuzuhören! Der Originalbeitrag lief 3x auf Radio Helsinki im Rahmen der Sendeschiene „Wissen“. Hier hören Sie die Podcastversion für radioigel, die Musik stammt von KraftiM.

Menschen, die in einem fremden Land Asyl, also Schutz vor Verfolgung, suchen und deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, werden Asylwerber oder Asylsuchende genannt. Der Begriff „Asylant“ wird ebenfalls verwendet, hat aber im Alltagsgebrauch eine abwertende Bedeutung bekommen.

Ob ein Asylsuchender in Österreich Asyl bekommt und damit als anerkannter Flüchtling in Österreich bleiben darf, wird im Asylverfahren entschieden. Aus welchen Gründen jemand als Flüchtling anerkannt werden kann, ist in der Genfer Flüchtlingskonvention und im österreichischen Asylgesetz genau definiert.

In Österreich gibt es derzeit rund 20.000 offene Asylanträge, die Asylsuchenden machen somit 0,25 Prozent der Gesamtbevölkerung Österreichs aus. Die meisten Asylanträge stellten in den letzten fünf Jahren Menschen aus Afghanistan, Tschetschenien und dem Kosovo.

Mittellose Asylsuchende bekommen in Österreich die sogenannte Grundversorgung: € 40 pro Person und Monat für alle persönlichen Ausgaben, wenn sie in organisierten Unterkünften wohnen; € 290 pro Person und Monat für Unterbringung, Verpflegung, Strom und alle anderen Kosten, wenn sie selbständig wohnen und nachweisen können, dass sie wirklich Miete zahlen. Da Asylwerber während des Asylverfahrens nur sehr eingeschränkt arbeiten dürfen, ist die Unterstützung durch die Grundversorgung für viele lebensnotwendig.

Erst wenn das Asylverfahren abgeschlossen ist und eine Person in Österreich als Flüchtling anerkannt ist oder subsidiären Schutz bekommt, erhält sie freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Für minderjährige Asylsuchende wie Armin, Haroon, Aref, Nuroollah und Sajed, die bisher von den Arbeitsmarktbeschränkungen betroffen waren, wurde Mitte 2012 der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. Künftig werden sie unter gewissen Voraussetzungen eine Lehre absolvieren dürfen – ein Schritt aus der Warteschleife, den sie von ganzem Herzen begrüßen würden.

Die großen Flüchtlingskrisen finden aber fernab von Europa statt: Vier Fünftel der weltweit rund 15 Millionen Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern. Allein in einem einzigen kenianischen Flüchtlingslager (Dadaab) leben über 460.000 Flüchtlinge. (vgl. Flucht und Asyl in Österreich – die häufigsten Fragen und Antworten, ein Bericht der UNHCR – the UN Refugee Agency)