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Leistungsheterogenität im Mathematikunterricht

Das Wort „Leistungsheterogenität“ fällt immer öfter im Schulkontext. Doch was bedeutet es eigentlich und welche Auswirkungen hat es auf den Mathematikunterricht? Kann man alle Kinder während des Mathematikunterrichts ausreichend fördern und fordern? Diese, und noch weitere Fragen stellen wir Herrn Mag. rer. nat. Dr. phil. Robert Geretschläger – der einerseits am BRG Keplerstraße, andererseits an der Karl-Franzens-Universität in Graz unterrichtet – und Herrn Prof. Mag. Dr. Karl-Heinz Graß – der die Mathematik und ihre Didaktik an der PH Steiermark lehrt – in diesem Interview.

Hintergrund und Ziele des Projektes „Mathematiklehramtsstudierende gestalten Radio- oder Fernsehbeiträge als Lernform für den Aufbau ihrer professionellen Kompetenz“

Der grundlegende didaktische Ansatz hinter dem Konzept „Lernen durch Lehren“ wurde bereits in den 1990er Jahren wissenschaftlich aufbereitet. Relativ jung ist im Vergleich der medienpädagogische Ansatz „Radio als Lernform“, der hier um den visuellen Aspekt zu „TV als Lernform“ erweitert wird.

Diese medienpädagogischen Ansätze bauen auf der Hypothese auf, dass Präsentationsformen, die sich rein auf den auditiven Kanal, bzw. auf audiovisuelle Kanäle beziehen, einer besonders intensiven Auseinandersetzung sowohl mit den Inhalten, als auch mit der Präsentationsform an sich bedürfen. Passend dazu schlägt Baacke das unterrichtsmethodische Konzept der Medienkompetenzvermittlung vor, welches im medienpädagogischen Forschungsdiskurs große Akzeptanz genießt. Schorb bezeichnet diese handlungsorientierte Medienpädagogik als Medienpraxis, zur „Entwicklung der Fähigkeit der Subjekte, Medien produktiv zur Artikulation eigener kollektiver Interessen zu nutzen“. Demnach sollen „die Subjekte die Medien ‚in-Dienst-nehmen‘, d.h. sie als Mittel zur aktiven, mitgestaltenden Auseinandersetzung mit ihrer Lebenswelt gebrauchen“.

Basierend auf dieses Konzept soll die Gestaltung von Radio- bzw. Fernsehbeiträgen zu speziellen, für einen qualitätsvollen Mathematikunterricht relevanten, Themen dazu dienen, dass sich die Studierenden vertieft mit der jeweiligen Thematik auseinandersetzen und dass die Präsentationsform zu einer Verbesserung ihrer Reflexionsfähigkeit beiträgt.

Das Projekt findet im Rahmen der Lehrveranstaltung „Didaktik der Analysis“ statt. Diese Lehrveranstaltung erweitert die Fachinhalte der Lehrveranstaltungen „Analysis und „Schulmathematik: Analysis“ um didaktische Aspekte. In den curricular verankerten Zielen zur Didaktik der Analysis finden sich unter anderem Kompetenzen wie:

Die AbsolventInnen dieser Lehrveranstaltung…können fachdidaktische Potenziale des Einsatzes von Technologie und Medien bei der Konzeption und Entwicklung von Unterrichtssequenzen, Unterrichtsmaterialien und Aufgaben nutzen

    • können typische mathematische Tätigkeiten bei der Konzeption, Entwicklung, Analyse und Reflexion von Unterrichtssequenzen, Aufgaben und Unterrichtsmaterialien zu den hier angeführten Inhaltsbereichen verständig und ausgewogen berücksichtigen
    • kennen verschiedene Methoden und nutzen diese für einen lernförderlichen und motivierenden Mathematikunterricht“.

Laut Studienplan fällt die Lehrveranstaltung zeitlich (5. Semester) mit der Durchführung des ersten Fachpraktikums in Mathematik zusammen. Dieses erste Pädagogisch Praktische Studium (PPS1) hat gemeinsam mit seinen Begleitseminaren den Aufbau einer forschenden Grundhaltung der Studierenden im Fokus. Im 6. Semester folgt dann die PPS2, die sich gemeinsam mit den Begleitlehrveranstaltungen schwerpunktmäßig dem Themenfeld Diversität und Inklusion widmet.
Passend zu den Zielen der Lehrveranstaltung Didaktik der Analysis und zu ihrer Einbettung ins Curriculum wurden für das Projekt bezogen auf den Mathematikunterricht acht Themen (Modellieren, Umgang mit (Leistungs-)Heterogenität, gendergerechter M-Unterricht, Technologieunterstützter M-Unterricht, …) zur Wahl gestellt.

Aufgabenstellungen und Ablauf des Projektes (Zeitraum WS 18/19):

Aufgabenstellungen Ablauf
Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema (Quellen, Informationen, Stand der Forschung, Material, …)Erstellung eines Fernseh-/Radiobeitrages passend zum gewählten Thema (ExpertInneninterview oder Gruppendiskussion)

Erstellung einer zum Thema passenden, detaillierten, begründeten und belegten Unterrichtsplanung zu einem selbst gewählten Inhaltsbereich der Analysis

Abgabe der Unterrichtsplanung in schriftlicher Form

Präsentation (12-15 Minuten) der Konzepte und Ergebnisse/Erkenntnisse

Bildung von Gruppen zu je 5 StudierendenWahl des Themas

Autonome Auseinandersetzung mit dem Thema – Sammlung von Ideen – (Literatur)recherchen

Im Zuge einer Lehrveranstaltungseinheit: Schärfung der Konzepte – Feedbach von anderen Gruppen (Methode worldCafe)

Vorarbeiten zum Beitrag

Erstellung des Fernseh- bzw. Radiobeitrages mit Unterstützung des Leiters von RadioIgel bzw. IgelTV

Erstellung und Abgabe der Unterrichtsplanung

Präsentation der Ergebnisse/Erkenntnisse des Projektes in einer LV-Einheit

Zitiert:

Auer, C. (2016). Pädagogische Hochschule Steiermark. Abgerufen am 09. Februar 2018 von Das Radio der PH Steiermark als mediendidaktisches Bildungskonzept: https://www.phst.at/fileadmin/user_upload/Radioigel_Konzept.pdf.

Baacke, D. (2007). Medienkompetenz. Tübingen: Niemeyer.

Dorfinger, J., & Matischek-Jauk, M. (2017). Das Radio als Lernform für Studierende – Erkenntnisse aus der Umsetzung eines innovativen Lehrveranstlatungskonzeptes. Gelingende Lehre – was gehört dazu? Woran erkennt man erfolgreiche Lehre, wie kann diese entwickelt und etabliert werden? (S. 38-39). FH Oberösterreich.

Entwicklungsverbund Süd-Ost. (2016). Curriculum für das Bachelorstudium Lehramt Sekundarstufe Allgemeinbildung – Curriculum 2015 in der Fassung 2016. Abgerufen am 2. Dezember 2018 von https://www.phst.at/fileadmin/user_upload/20150601_Bachelorstudium_Sek_AB_Endversion.pdf.

Grzega, J. (2003). LdL in universitären Kursen. Ein hochschuldidaktischer Weg zur Vorbereitung auf die Wissensgesellschaft. Abgerufen am 16. November 2017 von http://www.ldl.de/LDL_ALT/material/berichte/uni/ldl.pdf.

Mareike Kunter,  Jürgen Baumert, Werner Blum,  Uta Klusmann, Stefan Krauss,  Michael Neubrand (Hrsg.), 2011, Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV. Münst: Waxmann.

Schorb, B. (2008). Handlungsorientierte Medienpädagogik. In U. Sander, F. von Gross, & K.-U. Hugger (Hrsg.), Handbuch Medienpädagogik (S. 75-86). Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.